Erzählcafé

Wenn wir nichts gegen die Kommerzialisierung der Gesundheit unternehmen, werden wir krank.

Vor, während und nach der Geburt sorgen vor allem Hebammen dafür, dass die Schwangere beruhigt sein kann, die Gebährende sich ihrer eigenen Kraft sicher ist und die junge Familie Vertrauen in ihre Intuition gewinnt und sich so zusammen mit dem neuen Menschenkind gesund entwickelt.

Die Hebamme, die seit vielen Generationen zur werdenden Mutter, zur Geburt und zur Nachgeburtssorge gehört, wird ohne ersichtlichen Grund mit scheinheiligen Argumenten aus dem Bewusstsein der Bevölkerung gewischt.
Dr. Eike-Hans Theopold
Facharzt für Geburtshilfe und Gynäkologie

Doch diese Hebammen wird es bald nicht mehr geben. Und das aus einem ganz erbärmlichen Grund: »Unwirtschaftlichkeit«. Weil sich profitorientierte Versicherungsunternehmen und Krankenkassen den gesunden Start ins Leben nicht mehr leisten wollen. Die Schwangerschaft, die Geburt und die ersten Wochen des neuen Menschenlebens werden zur Krankheit. Denn wo bisher noch eine Hebamme mit ihrer Erfahrung und Weisheit zur Seite steht, ist dann in Zukunft niemand mehr da oder müssen wir bei jeder Frage, bei jedem kleinen Problem eine Klinik oder eine Arztpraxis aufsuchen und dort darauf hoffen, dass jemand für uns Zeit und Antworten hat. Das wollen wir nicht hinnehmen.

Heute haben sich über 120 Frauen und Männer in unserem Erzählcafé darüber unterhalten, wie wertvoll die Arbeit der Hebammen ist und wie unvorstellbar die Schwangerschaft, die Geburt und der Start ins Leben ohne Hebammen wäre. In einer angenehmen Atmosphäre fanden gute Gespräche statt, die von engagierten Moderatorinnen – darunter viele Hebammen – achtsam begleitet wurden. Diese Gespräche haben uns geeint und gestärkt. Von der Oma bis zum frischgeborenen Kind waren alle da. Und letztlich war uns klar: wir sind nicht alleine und wir müssen etwas tun.

Das Erzählcafé war ein erster Schritt.

Diese Veranstaltung wurde unterstützt von der Evangelischen Erwachsenenbildung Ortenau und ist Teil der bundesweiten Erzählcafé-Aktion – eine Initiative von gemeinnützigen Organisationen, um Frauen aller Generationen und verschiedener kultureller Hintergründe zum Thema Geburtskultur miteinander ins Gespräch zu bringen.

12 von 12 im Juli 2015

Wir machen mit beim Projekt »12 von 12« mit zwölf Bildern aus unserem Alltag am zwölften Tag des Monats.

Ganz egal, wie spät Andreas in der Nacht zuvor ins Bett gekommen ist, heißt es pünktlich um 6.30 Uhr wieder »Guten Morgen!«. Und schon kurz danach kneten ihm die zwei kleinen Apfelfreundinnen eifrig ein Frühstück zusammen, spielen begeistert mit Seifenblasen auf dem Balkon oder erfahren staunend, dass die Farben von Holzkugeln mit dem Tastsinn nicht sonderlich gut vorhergesagt werden können.

Nach einem knetfreien Frühstück fahren wir auf die Germatt in der Nähe von Zell am Harmersbach und treffen uns mit unseren Freunden aus der Taijiquan-Schule. Dort verbringen wir fast den ganzen Tag mit fröhlichem Spielen, matschigem Sandeln, erfrischendem Wassertreten und sogar dem ein oder anderen philosophischen Gespräch.

Am Abend erntet die große Apfelschwester auf dem Balkon die ersten Minitomaten, während die kleine Apfelschwester ihre Holztomaten im Kaufladen nebenan zum Verkauf anbietet.

Urlaub auf Rügen (Ostseebad Baabe)

6. bis 27. Juni 2015 – Nach unserem schönen Urlaub im Sommer 2013 im Ostseebad Baabe auf der Insel Rügen, genießen wir wieder drei herrliche Wochen im selben Ferienhaus. Mitten in einem Kiefernwald sind es von dort aus nur wenige Schritte zum Meer und die zwei kleinen Apfelfreundinnen buddeln und planschen nahezu jeden Tag am Strand. Wir machen Ausflüge zum Königsstuhl und zu den Leucht­türmen am Kap Arkona und fahren mit der »MS Lamara« durch den Greifswalder Bodden und mit dem »Rasenden Roland« quer über die Insel. Im Reiterhof Pisch hat die große Apfelschwester Erstkontakt mit Glenny, dem Pony, und entdeckt ihre Freude am Reiten. Nächstes Jahr kommen wir wieder!

12 von 12 im Juni 2015

Zum ersten Mal machen wir mit beim Projekt »12 von 12« mit zwölf Bildern aus unserem Alltag am zwölften Tag des Monats.

Allerdings ist dieser Tag und ist der ganze Monat für uns alles andere als alltäglich, denn seit 6. Juni und noch bis 27. Juni verbringen wir unseren Urlaub in einem Ferienhaus im Ostseebad Baabe auf der Insel Rügen. Und doch heißt es bei uns, wie fast jeden Tag, pünktlich um 6.30 Uhr »Guten Morgen!«. Die Sonne scheint immerhin schon seit zwei Stunden durch die Vorhänge. Mit Kuscheln und dem ein oder anderen multimedialen Apfelgerät können wir das eigentliche Aufstehen aber erfolgreich um fast eine Stunde herauszögern.

Gleich nach dem Aufstehen wird gespielt und gemalt, erst oben im Haus, dann unten und schließlich draußen auf der Terrasse, wo wir auch frühstücken. Da das Wetter noch nicht so richtig strandtauglich und der Kühlschrank schon ziemlich leer ist, gehen wir erst einmal einkaufen. Nach dem Mittagessen und dem Mittagsschlaf der drei (!) Mädels scheint mittlerweile die Sonne und wir gehen zum Strand.

Am Strand machen wir zuerst das, was wir dort immer zuerst machen: wir buddeln ein Loch. Nach einer Weile kommt der Eiswagen vorbei und es gibt für alle Lochbuddler ein Eis. Unser Urlaubstag klingt aus mit einem Abendessen auf der Terrasse und unseren Guten-Abend-Liedern auf der Couch (auch wenn die große Apfelschwester lieber etwas anderes hören möchte). Um 21 Uhr ist dann Abendruhe.

Der Start ins Leben

»Machst du mit?«, fragt mich Sarah aus der Stillgruppe. »Wir müssen irgendetwas machen. Das ist alles einfach nur schrecklich.«

Ja, es ist schrecklich. Die Situation in der Geburtshilfe und die Lage der Hebammen sind schrecklich! Seit der Schwangerschaft mit der großen Apfelschwester ist meine Hebamme eine wertvolle Begleiterin für mich und für uns als Familie. Ich kann es mir nicht vorstellen, ohne eine solch weise Frau schwanger zu sein, zu gebären, zu stillen, die Sorgen des Wochenbetts zu erleben und immer wieder von dieser Hüterin der Würde der Mütter und der Babys achtsame und bestärkende Ratschläge zu bekommen.

Wir müssen etwas tun, aber was?

Ich fühle mich sehr entmutigt, denn die Hebammen kämpfen schon lange und es wird immer schlimmer. Ihre Haftpflichtprämien steigen ins Unbezahlbare. Vielleicht gibt es bald sogar gar keinen Versicherer mehr. Ohne eine solche Versicherung dürfen Hebammen nicht arbeiten. Und nun wollen die Gesetzlichen Krankenkassen die Hausgeburten nicht mehr oder nur noch zu ganz bestimmten Bedingungen bezahlen. Ich will das nicht! Ich wünsche mir für meine Töchter, für meine Enkelinnen und für alle Frauen, dass sie mit der Hilfe einer Hebamme dort gebären dürfen, wo sie es wollen. Es macht mich wütend, wie mit den Hebammen umgegangen wird! Doch sind es »nur« die Hebammen? Nein!

Es sind wir Frauen, die Mütter, die Väter, die Babys, die Familien, die hier schlecht behandelt werden. Wir müssen protestieren! Wir sind viele. Das muss doch irgendwie helfen, wenn in einer Gesellschaft die Eltern protestieren!

Und ich sage ja, ich mache mit!

Wir organisieren zusammen ein Erzählcafé zum Thema Geburt und Schwangerschaft. Hoffentlich kommen viele, erzählen, hören zu, tauschen sich aus, lernen voneinander und lernen Hebammen kennen, damit der Start ins Leben nicht von Angst, sondern von Freude und Geborgenheit geprägt ist. Wir brauchen die Hebammen!

Diese Veranstaltung wird unterstützt von der Evangelischen Erwachsenenbildung Ortenau und ist Teil der bundesweiten Erzählcafé-Aktion – eine Initiative von gemeinnützigen Organisationen, um Frauen aller Generationen und verschiedener kultureller Hintergründe zum Thema Geburtskultur miteinander ins Gespräch zu bringen.

Heroes vs. Zeroes

Der Eurovision Song Contest ist ein Liederwettbewerb und keine politische Veranstaltung.

Gestern hatten wir mal wieder einen lustigen Abend mit überraschend wenig Fremdschämpotenzial. Und nun werden bei der Punkte­vergabe wieder unfaire Nachbarschafts­klüngeleien und gar politische Verschwörungen vermutet. Aber wie bei jeder Wahl gibt es diesen ominösen »Wählerwillen« doch gar nicht. Es ist immer jeweils nur eine einzelne Person, die gerade wählt oder anruft. Und für einen Musik­beitrag nicht anzurufen ist kein politischer Akt.

Vielmehr ist es doch so: »Oh, ein Beitrag gefällt Auge und Ohr? Ich rufe an!« Gut für Lettland und Belgien. »Ich interessiere mich für Land und Leute? Höre die Musik sowieso schon seit Wochen, die dadurch immer noch besser wird? Ich rufe an!« Prima für Schweden und Norwegen. »Ein Friedenslied? Ich mag den Frieden.«

Klar interessieren sich die skandinavischen Länder eben für die skandinavischen Länder und klar kommt so auch »Mother Russia« zu ihren Punkten. Und Deutschland? Tja, offensichtlich interessiert sich niemand für Deutschland. Aus politischen Gründen? Wohl kaum. Aber vielleicht, weil wir – nicht nur der deutsche Musikbeitrag, sondern du und ich – für Europa tatsächlich einfach nur uninteressant sind.

P.S. Unsere Schwedenflagge hing heute den ganzen Tag fröhlich am Fenster.

Unfassbar

Als ich an einem Dienstag im November 2006 nach Hause kam, wartete niemand von der Presse auf mich, um ein Foto eines Trauernden zu machen. Es gab keinen Liveticker, der stundenlang vor allem eines berichtete: dass es nichts zu berichten gab. Niemand spekulierte, was passiert war, obwohl der genaue Unfallhergang noch Wochen später unklar war. Einen Tag später erschien in der lokalen Zeitung ein kleiner Bericht mit dem Foto eines Autowracks. Die Menschen, die mir ihr Mitgefühl aussprachen, kannten mich. Und die, die mich nicht kannten, hatten über unseren damaligen Blog vom Unfall gehört. Es waren wenige und es war niemand aus dem öffentlichen Leben. Die Autos fuhren weiter.

Der Tod eines lieben Menschen ist eine unfassbare Katastrophe. Von einer Sekunde auf die andere ist alles zerstört. Um ein solches Unglück zu begreifen und zu überwinden, braucht es keine entsetzte Öffentlichkeit; es braucht niemanden, der sich erst ein »Bild von der Lage« machen muss. Es braucht Freundinnen und Freunde; es braucht Zeit und Stille.

Noch unfassbarer ist der Tod vieler Menschen. Im Jahr 2006 starben 5.091 Menschen in Deutschland im Straßenverkehr. Michaela war eine davon.