6. September 2014
Andreas
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Die Rede des Friseurs

Im siebzehnten Kapitel des Evangelisten Lukas steht: Gott wohnt in jedem Menschen. Also nicht in einem oder einer Gruppe von Menschen. Vergesst nie, Gott lebt in euch allen, und ihr als Volk habt allein die Macht, die Macht Kanonen zu fabrizieren, aber auch die Macht Glück zu spenden. Ihr als Volk habt es in der Hand, dieses Leben einmalig kostbar zu machen, es mit wunderbarem Freiheitsgeist zu bedringen. Daher im Namen der Demokratie: lasst uns diese Macht nutzen, lasst uns zusammenstehen! Lasst uns kämpfen für eine neue Welt, für eine anständige Welt, die Jedermann gleiche Chancen gibt, die der Jugend eine Zukunft und den Alten Sicherheit gewährt.
Charles Chaplin, 1940

Diese Worte sind nahezu genauso alt, wie der Beginn des zweiten Weltkriegs her ist, und haben an Deutlichkeit und Wirkung nichts verloren. Sie stammen aus dem Film »Der große Diktator«, in dem ein jüdischer Friseur gegen Ende mit dem »tomanischen« Führer »Anton Hynkel« verwechselt wird und nun eine Rede vor dem Volk halten soll. Manche mögen über den Idealismus solcher Worte lachen. Vor 75 Jahren und heute. Manche mögen die Rede als Farce und »Gutmenschentum« abtun. Aber was bedeutet es schon, ein »Gutmensch« zu sein?

Anstatt sich mit erhobener Faust gegen die Missstände dieser Welt zu erheben, anstatt mit erhobener Faust von Gott und den Menschen zu fordern, dem Kriegstreiben und der Kriegsrhetorik unserer Zeit ein Ende zu setzen, werden wir im Gottesdienst am Sonntag nächste Woche gemeinsam ein Lied singen, in dem es heißt:

Manchmal denk ich traurig: Ich bin viel zu klein! Kann ja doch nichts machen! Und dann fällt mir ein: Erst einmal beginnen. Hab ich das geschafft, nur nicht mutlos werden, dann wächst auch die Kraft. Und dann seh ich staunend: Ich bin nicht allein. Viele Kleine, Schwache stimmen mit mir ein: Alles muss klein beginnen. Lass etwas Zeit verrinnen. Es muss nur Kraft gewinnen, und endlich ist es groß.
Gerhard Schöne
Alles muss klein beginnen

Ist das naiv? Ja, das ist es. Aber was bleibt als Alternative?

22. August 2014
Andreas und Petra
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Früher

Früher war die Wohnung größer. Steckdosen waren gefährlich und alle Schubladen konnten ohne Probleme geöffnet werden. Früher war es kein Geheimnis, wenn Eis oder Schokokekse im Haus waren. Früher war weniger Spielzeug. Wäscheständer waren noch Wäscheständer und keine Höhlen oder Baumhäuser. Und Klappkisten konnten aufgeklappt werden, ohne dass sich gleich jemand hineinsetzen wollte.

Früher wurde beim Einschlafen nicht gesungen. Das Doppelbett war ein Bett für zwei Leute. Früher war mehr Schlaf und wer den Wecker auf 7 Uhr stellte, wurde nicht ausgelacht. Früher konnte man auch mal alleine aufs Klo gehen. Die Verdauung war weniger oft Gesprächsthema und wir hatten noch kein richtiges Wort für »Stinkie«.

Früher war Gehen einfach Gehen. Niemand ging rückwärts, wollte getragen werden oder Andreas an den Ohren festhalten. Früher kannten wir nicht alle Spielplätze in der Umgebung. Wir waren einfach wir selbst und nicht König Sarastro oder Königin der Nacht, Tiger oder Bär, Johnny Mauser, Franz von Hahn oder der dicke Waldemar.

Früher verteilte Petra in der Apotheke Traubenzucker und wurde in anderen Geschäften nicht gefragt, ob einer ihrer Begleiter vielleicht einen Traubenzucker haben wolle. Früher kreischte niemand vor Freude, wenn Andreas nach Hause kam.

Früher war alles schön. Aber wir waren keine Familie.
Heute sind wir eine und alles ist ganz wunderbar und wundervoll noch schöner.

11. Juli 2014
Andreas
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Das Herz inmitten allen Seins

Seit fast zwanzig Jahren übe und vertiefe ich bei Heinz Günter Saemann in der Taijiquan-Schule Ortenau meine Bewegungen, doch nie zuvor war der Unterricht so tiefgründig und bewegend wie in den letzten Wochen. Neben unserem Körper bewegen wir auch unsere Seele und hören Texte aus dem Dào Dé Jing von Lăozi oder den Gedichten zum Spiel der fünf Tiere von Jião Guóruì. Beim ersten Hören völlig neue Bilder; doch dann klingen Worte in mir, die ich vor vielen Jahren, sogar Jahrzehnten, gehört und gelesen habe und die immer noch tief in mir sind und eine wundervolle Wahrheit aussprechen, die eigentlich ohne Worte ist.

Der Wissende,
das Selbst inmitten,
ward nie geboren,
noch wird es sterben.

Nicht ist es erschaffen irgend woraus
und nichts erschafft es außer seiner Selbst.
Es ist ursprünglich, ungeboren, dauernd, ewig.
Es stirbt nicht, wenn der Körper stirbt.
Und wenn der Tötende denkt, er tötet,
oder der Getötete, er sei tot,
so versteht von beiden keiner.
Nicht tötet es, noch kann es jemals getötet werden.

Kleiner als das Kleine,
größer als das Große
ist es das Herz inmitten allen Seins.

Alan Watts

27. Juni 2014
Andreas
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Mondschein­silber­sternenkatze

Mondscheinsilbersternenkatze

Auf einmal liegt Sternenstaub auf Emilias Leben, und der Nachtwind lacht ihr zu. Warum können Kinder plötzlich fliegen? Wie kommt es, dass Mama ihre Sorgen los ist? Was klirrt da im Gespenster­turm? Und wer hat den alten Schuppen in ein buntes Spielhaus verwandelt? Die Mond­schein­silber­sternenkatze ist auf der Erde gelandet …

Petra Zeil: Mondscheinsilbersternenkatze

Die Katze ist endlich gelandet. In diesen Tagen wurde das dritte Buch unserer Freundin Petra Zeil veröffentlicht. Die Geschichte der »Mondscheinsilbersternenkatze« wird in Reimen erzählt und ist von Petra selbst mit großartigen Tuschezeichnungen illustriert. Zur Freude am Setzen der Geschichte mit der Schrift »Skolar« von David Březina kam für mich noch das große Vergnügen hinzu, den Text und die Zeichnungen so zusammenzubringen, dass wir nun am Ende ein »richtiges Buch für Kinder« in den Händen halten können. Und die große kleine Apfelfreundin kennt jetzt endlich auch Emilia, kann »Mondschein­silber­sternenkatze« sogar schon aussprechen und freut sich, wenn wir ihr aus dem Buch vorlesen.

Mondscheinsilbersternenkatze
Mondscheinsilbersternenkatze
Mondscheinsilbersternenkatze
Mondscheinsilbersternenkatze
Mondscheinsilbersternenkatze
Mondscheinsilbersternenkatze
Mondscheinsilbersternenkatze
Mondscheinsilbersternenkatze
Mondscheinsilbersternenkatze
Mondscheinsilbersternenkatze
Mondscheinsilbersternenkatze
Mondscheinsilbersternenkatze

Petra Zeil: Mondscheinsilbersternenkatze
BoD, ISBN 978-3-7357-8679-1, Paperback, 100 Seiten, 7,50 Euro

25. Mai 2014
Andreas und Petra
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Familienzeit

Familienzeit

Heute vor drei Monaten ist die kleine kleine Apfelfreundin auf die Welt gekommen. Dank der zweiten Elternzeit von Andreas haben wir seitdem zusammen mit der großen kleinen Apfelfreundin fast ununterbrochen unsere Zeit als Familie genießen können. Die Elternzeit geht heute zu Ende und doch hat unsere Familienzeit gerade erst begonnen, was uns ganz besonders glücklich und dankbar sein lässt.

24. Mai 2014
Andreas
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Das Ziel vor Augen erkennen wir:
Der Weg ist das Ziel.
Auf dem Weg dann:
Es gibt keinen Weg, nur Gehen.
Im Gehen bleibt schließlich nur:
Der eine Schritt.
Und am Ende:
Kein Ziel, kein Weg, kein Gehen, kein Schritt,
Freiheit.