
Kategorie: Leben
Früher
Früher war die Wohnung größer. Steckdosen waren ungefährlich und alle Schubladen konnten ohne Probleme geöffnet werden. Früher war es kein Geheimnis, wenn Eis oder Schokokekse im Haus waren. Früher war weniger Spielzeug. Wäscheständer waren noch Wäscheständer und keine Höhlen oder Baumhäuser. Und Klappkisten konnten aufgeklappt werden, ohne dass sich gleich jemand hineinsetzen wollte.
Früher wurde beim Einschlafen nicht gesungen. Das Doppelbett war ein Bett für zwei Leute. Früher war mehr Schlaf, und wer den Wecker auf 7 Uhr stellte, wurde nicht ausgelacht. Früher konnte man auch mal alleine aufs Klo gehen. Die Verdauung war weniger oft Gesprächsthema und wir hatten noch kein richtiges Wort für »Stinkie«.
Früher war Gehen einfach Gehen. Niemand ging rückwärts, wollte getragen werden oder Andreas an den Ohren festhalten. Früher kannten wir nicht alle Spielplätze in der Umgebung. Wir waren einfach wir selbst und nicht König Sarastro oder Königin der Nacht, Tiger oder Bär, Johnny Mauser, Franz von Hahn oder der dicke Waldemar.
Früher verteilte Petra in der Apotheke Traubenzucker und wurde in anderen Geschäften nicht gefragt, ob einer ihrer Begleiter vielleicht einen Traubenzucker haben wolle. Früher kreischte niemand vor Freude, wenn Andreas nach Hause kam.
Früher war alles schön. Aber wir waren keine Familie.
Heute sind wir eine, und alles ist ganz wunderbar wundervoll noch schöner.
Wer will einen Apfel?

Heute hat die große Apfelschwester die schon gar nicht mehr so kleinen Äpfel von unserem Apfelbaum geerntet.



Das Herz inmitten allen Seins
Seit fast zwanzig Jahren übe und vertiefe ich bei Heinz Günter Saemann in der Taijiquan-Schule Ortenau meine Bewegungen, doch nie zuvor war der Unterricht so tiefgründig und bewegend wie in den letzten Wochen. Neben unserem Körper bewegen wir auch unsere Seele und hören Texte aus dem Daodejing von Laozi oder den Gedichten zum Spiel der fünf Tiere von Jiao Guorui. Beim ersten Hören völlig neue Bilder; doch dann klingen Worte in mir, die ich vor vielen Jahren, sogar Jahrzehnten, gehört und gelesen habe und die immer noch tief in mir sind und eine wundervolle Wahrheit aussprechen, die eigentlich ohne Worte ist.
Der Wissende,
das Selbst inmitten,
ward nie geboren,
noch wird es sterben.Nicht ist es erschaffen irgendworaus
und nichts erschafft es außer seiner Selbst.
Es ist ursprünglich, ungeboren, dauernd, ewig.
Es stirbt nicht, wenn der Körper stirbt.
Und wenn der Tötende denkt, er tötet,
oder der Getötete, er sei tot,
so versteht von beiden keiner.
Nicht tötet es, noch kann es jemals getötet werden.Kleiner als das Kleine,
größer als das Große,
ist es das Herz inmitten allen Seins.Alan Watts
Mondscheinsilbersternenkatze

Auf einmal liegt Sternenstaub auf Emilias Leben, und der Nachtwind lacht ihr zu. Warum können Kinder plötzlich fliegen? Wie kommt es, dass Mama ihre Sorgen los ist? Was klirrt da im Gespensterturm? Und wer hat den alten Schuppen in ein buntes Spielhaus verwandelt? Die Mondscheinsilbersternenkatze ist auf der Erde gelandet.
Petra Zeil: Mondscheinsilbersternenkatze
Die Katze ist endlich gelandet. In diesen Tagen wurde das dritte Buch unserer Freundin Petra Zeil veröffentlicht. Die Geschichte der »Mondscheinsilbersternenkatze« wird in Reimen erzählt und ist von Petra selbst mit großartigen Tuschezeichnungen illustriert. Zur Freude am Setzen der Geschichte mit der Schrift »Skolar« von David Brezina kam für mich noch das große Vergnügen hinzu, den Text und die Zeichnungen so zusammenzubringen, dass wir nun am Ende ein »richtiges Buch für Kinder« in den Händen halten können. Und die große kleine Apfelfreundin kennt jetzt endlich auch Emilia, kann »Mondscheinsilbersternenkatze« sogar schon aussprechen und freut sich, wenn wir ihr aus dem Buch vorlesen.

- Petra Zeil: Mondscheinsilbersternenkatze, 2014
Books on Demand, Paperpack, 100 Seiten, 7,50 Euro
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